Historie
der Freundesgesellschaft
Kaum waren Sie dann als junger Mann in Berlin eingetroffen, es war wohl Ende der
zwanziger Jahre, da griffen Sie bereits nach den Sternen und begaben sich auf
den steilen Weg nach oben, den Sie offensichtlich mühelos bewältigten. Mit nur
35 Jahren landeten Sie auf einem Vorstandssitz der Deutschen Revisions- und
Treuhand AG, eine Funktion übrigens, die Sie ganz sicher auch für Ihre späteren
Aufgaben als Schatzmeister qualifizierte - der Club der Luftfahrt von
Deutschland ist Ihnen hierin zu besonderem Dank verpflichtet! - und schon mit 37
Jahren wurden Sie Vorstandsvorsitzender der Bank der Deutschen Luftfahrt AG in
Berlin. Diese Tätigkeit war es wohl, die Ihnen willkommene Gelegenheit bot,
sozusagen wie eine Spinne im Netz, zu allen führenden Persönlichkeiten
Verbindungen zu knüpfen, die in Organisationen oder Institutionen mit der
Luftfahrt zu tun hatten, ihre Probleme kennen zu lernen und dafür zu sorgen,
dass sie überwunden und gelöst werden konnten. Diese Tätigkeit ist Ihnen auch
offensichtlich so in Fleisch und Blut übergegangen, dass Sie nach dem Desaster
des letzten Krieges es nicht übers Herz brachten, die wiedererstehende Luftfahrt
bei der Bewältigung ihrer nun doch schwieriger gewordenen Probleme allein zu
lassen.
Das war denn auch die Zeit, in der sich unsere Wege und Absichten begegneten,
und in der sich unsere Kontakte zu einem die Jahre überdauernden
freundschaftlichen Verhältnis entwickelten, für das ich Ihnen persönlich
außerordentlich dankbar bin. Ich habe Sie dabei als einen Menschen kennen und
schätzen gelernt, der sich die "Förderung an sich" zum Prinzip gemacht hatte,
und zwar, soweit ich das übersehen kann, frei von irgendwelchen Einschränkungen.
Gleich, wer sich an Sie mit der Bitte um Rat oder Unterstützung wandte, ob
Behörde, Firma, Anstalt oder Person, immer konnte man sicher sein, bei Ihnen
nicht nur ein offenes Ohr zu finden, sondern auch eine immer initiative
Reaktionsbereitschaft. Ob es sich um die Lufthansa oder um die
Elektronikindustrie, ob um Heinkel, Messerschmitt oder Hapag-Lloyd, ob um VFW,
ERNO, MBB oder Blohm & Voss, ob um die Gesellschaft für Weltraumforschung oder
um die DFVLR handelte, jeder konnte sich Ihrer positiven und konstruktiven
Mitwirkung erfreuen.
Blicken wir zurück, so möchte ich sagen, dass die vergangenen achtzig Jahre
einen Zeitraum überspannen, der Ihnen ein reich gegliedertes und interessantes,
ein eminent erfolgreiches Leben beschert hat, ein Leben, während dessen nahezu
alle wichtigen Errungenschaften der Neuzeit Realität geworden sind, ein Leben,
das Sie an allem bewusst teilnehmen ließ und das Sie selbst mitgestalten
halfen, ein Leben, das Ihnen viele Höhen gebracht, aber auch Tiefen nicht
erspart hat, kurzum ein Leben, das Sie zu einem von allen, die ich kenne,
ungewöhnlich anerkannten und geschätzten Grandseigneur der Luftfahrt werden
ließ.
Gerade vor zwei Wochen hat ein Mann des gleichen Jahrgangs wie Sie, Hermann
Josef Abs, seinen achtzigsten Geburtstag gefeiert. Bei einem Interview hat er
gesagt, dass er sich eigentlich seiner Rolle nie so richtig bewusst geworden
sei, dass er von Mal zu Mal nach den Gegebenheiten gehandelt habe, und dass er
glaube, für das Zusammenleben in der Welt der Wirtschaft, der Banken und der
Politik, aber auch im persönlichen Leben sei die Rolle des Gentleman eine der
besten Rollen, die man haben könne. Sie setze eine absolute Loyalität im eigenen
Hause und zu den Partnern voraus und erfülle das Ideal, sich selbst nicht zu
ernst zu nehmen.
Es ist meine tiefe Überzeugung, lieber Herr Rudorf, dass diese Rolle auch von
Ihnen meisterhaft wahrgenommen wurde und wird.
Im Namen der Lilienthalstiftung und auch persönlich möchte ich der Hoffnung
Ausdruck geben, dass Sie, Herr Rudorf, uns in dieser Rolle auch weiterhin gesund
und munter wie eh und je zur Verfügung stehen werden. Unsere besten Wünsche
begleiten Sie."
Entwicklung des DLR